Zum Hauptinhalt springen

„Eine Frau war dieser Mann!“, hat im Jahr 1188 ein Mönch mit Erstaunen festgestellt, als er seinen vermeintlichen Mitbruder nach dessen Tod wusch und ihm beziehungsweise ihr die Begräbniskleidung anzog. Joseph, der drei Jahre als 15-jähriger Novize im Kloster Schönau aufgenommen worden war, war eine junge Frau: Hildegund. Weitere Heilige des Tages sind heute Wilhelm, Victor I., und Agnes von Montepulciano.

Hildegund von Schönau stammte aus Neuß am Rhein. Um das Jahr 1183 nahm ihr Vater sie mit auf eine Wallfahrt in das Heilige Land. Dort erkrankte er aber tödlich. Bevor er starb riet er seiner Tochter Männerkleidung anzuziehen und den Namen Joseph anzunehmen, um die Heimreise ungefährdet zu überstehen. Unbeschadet zurückgekehrt behielt Hildegund jedoch Namen und Männerkleidung und trat in das Zisterzienserkloster Schönau bei Heidelberg ein. Hier lebte sie als Novize bis zu ihrem Tod am 20. April 1188. Erst auf dem Sterbebett offenbarte Hildegund ihre Lebensgeschichte. Ihr wahres Geschlecht erfuhr man erst nach ihrem Tod. Hildegund wird dargestellt in Männerkleidung und mit einem neben ihr reitenden Engel.

Wilhelm lebte nach langer Wanderschaft als Pilger in Windberg als Einsiedler und war ein von allen hoch geachteter Mensch. Wilhelm hatte die Gabe der Weissagung und heilte Kranke, darunter auch den Grafen von Bogen, der daraufhin eine Kapelle und das Gebäude des späteren Prämonstratenserklosters Windberg erbauen ließ. Wilhelm starb am 20. April 1145 in Windberg bei Straubing in Bayern.

Victor I. war Bischof von Rom von 189 bis 199. Seine Amtszeit stand ganz im Zeichen des Osterfeststreites: so machte Victor durch die Festsetzung des Ostertermins den Führungsanspruch der römischen Kirche gegenüber der Ostkirche geltend. In mehreren Synoden, die er veranstaltete, sprach man sich für das Osterfest an einem Sonntag aus. Zuvor wurde Ostern an dem Wochentag gefeiert, der nach dem jüdischen Kalender das Pessachfest war. Victor war auch der erste Papst, der  seine Schriften nicht mehr in Griechisch, sondern in Latein verfasste. Seither seiner Amtszeit ist Latein die offizielle Kirchensprache.

Agnes wurde bei den Nonnen von del Sacco erzogen und dank ihrer besonderen Frömmigkeit schon mit 15 Jahren auf päpstliche Anordnung Äbtissin des neugegründeten Klosters Proceno. Ab 1258 leitete sie das Dominikanerinnenkloster in Montepulciano bis zu ihrem Tod im Jahr 1317.